NABU Kreisverband Düren

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  • Windenergie Gereonsweiler


  • Windenergie Gereonsweiler

    Betr.: a) 30. Änderung des FNP der Stadt Linnich,“Windenergie Gereonsweiler

     

    Konzentrationszone für Windkraftanlagen

     

    b) BBP Nr. 6 „Windenergie Gereonsweiler“

     

    Landesbüro Zeichen: DN 11-06.15 BLP


     

     

     

    Landesplanung/Regionalplanung

     

     

    Die Naturschutzverbände unterstützen die Ziele der Landesregierung, bis zum Jahr 2020 mindestens 15 Prozent der nordrhein-westfälischen Stromversorgung durch Windenergie und bis zum Jahr 2025 30 Prozent der nordrhein-westfälischen Stromversorgung durch erneuerbare Energien zu decken. Perspektivisch ist der Energiebedarf bis im Jahr 2050 zu 100 Prozent aus erneuer-baren Energien zu decken. Dies erfordert eine massive Verringerung des Energie- und Ressourcenverbrauchs, erhebliche Effizienzsteigerungen und einen konsequenten naturverträglichen Ausbau der Erneuerbaren Energien.

    Im Hinblick auf die Naturverträglichkeit des Ausbaus der Windenergie halten die Naturschutzverbände einige Korrekturen im geplanten gemeinsamen » Runderlass des MKULNV, des Bauministeriums und der Staatskanzlei (inkl. Anlagen » 1, » 2, » 3 und » 4) für dringend geboten, insbesondere hinsichtlich der Vorgaben für die Regionalplanung (Ziff. 3.2 WEE-Entwurf) und zur Berücksichtigung des Artenschutzes in der Planung und Zulassung von Windenergieanlagen (Ziff. 8.2.2.3 WEE-Entwurf). Erhebliche Bedenken bestehen gegen die - gegenüber dem geltenden Erlass - neu gefassten Abschnitte zur Eingriffsregelung (Ziff. 8.2.2.1 WEE-Entwurf) und zum Schutz der Landschaftsschutzgebiete (Ziff. 8.2.2.5 WEE-Entwurf).

     

    Im Übrigen sprechen sich die Naturschutzverbände insbesondere dafür aus, im Erlass die bestehenden Möglichkeiten zur Förderung der Transparenz in Planungs-und Zulassungsverfahren, d. h. insbesondere auch die zur Bürger-und Verbandsbeteiligung, ausdrücklich zu benennen (zu Ziff. 2 WEE-Entwurf) und durch entsprechende Vorgaben gegenüber der Regionalplanung darauf hinzuwirken, dass beim Ausbau der Windenergie das so genannte Repowering den Ausbauschwerpunkt darstellt (zu Ziff. 4.9 WEE-Entwurf).

     

    Trotz aller Wissenslücken stehen die negativen Auswirkungen von Windenergieanlagen auf bestimmte Brut-, Gastvogel- und Fledermausarten und mehr noch Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft außer Frage. Diese Auswirkungen sind mindestens ebenso belegt wie die Gefährdung des Klimas durch Kohlendioxid oder der Beitrag der Windenergie zum Klimaschutz. Deshalb erfordert der Ausbau der Windenergie, wie die Nutzung aller anderen Energiequellen und jede Landnutzung, die volle Integration der Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege. Dies verlangt u. a. den Schutz der Gebiete, die nach nachvollziehbaren Kriterien eine besondere Bedeutung für Naturschutz und Landschaftspflege haben.

     

    Die Beachtung dieser Anforderungen sollte schon von dem Planer selbst erwartet werden können, denn kein anderer Teil der Energiewirtschaft stellt nach außen hin seine Verantwortung für die Umwelt so sehr heraus und möchte seine Interessen mit dieser Verant-wortung legitimiert sehen wie die Windenergiewirtschaft.

     

     

    Landschaftsbild

     

    WEA sind technische Bauwerke, die insbesondere in Form von Windfarmen nicht nur in einem beträchtlichen Umfang Flächen beanspruchen, sondern es gehen von diesen Bauwerken wegen ihrer Größe, Gestalt, Rotorbewegung und -reflexe auch großräumige Wirkungen aus, die das Er-scheinungsbild einer Landschaft verändern und ihr bei großer Anzahl und Verdichtung den Charakter Vorzug von Offenlandschaften und exponierten Standorten noch verstärkt. Die Geräusch-entwicklung der Anlagen stellt zumindest innerhalb von Bereichen mit besonderer Bedeutung für die Erholung ein zusätzliches Problem dar. Die je nach Standort (z. B. Nähe zu Flugplätzen) oder Bauhöhe (mehr als 100 m über Grund) erforderliche Kennzeichnung gemäß der Allgemeinen Vorschrift zur Kennzeichnung von Luftfahrt-hindernissen kann zu einer zusätzlichen erheblichen Beeinträchtigung führen. Das gilt für farbliche Kennzeichnungen, insbesondere aber auch dann, wenn die Kennzeichnung durch weiß blitzende Feuer (tags) und rote Hindernisfeuer bzw. Gefahrenfeuer (nachts) erfolgt. Bau- und anlagebedingt werden hier durch die WEA weitere Teile, Funktionen oder Werte von Natur und Landschaft in Mitleidenschaft gezogen. Das gilt vor allem für die Überbauung von Boden infolge von Erschließungsmaßnahmen, Wegebau, Grabenverrohrungen für Überfahrten. Infolge der Höhe der geplanten Anlagen von 150m ist die damit verbundene Beeinträchtigung des Landschaftsbildes erheblich.  Die dargestellte Vorbelastung sollte dazu führen der Landschaft hier keine weiteren Beeinträchtigungen auszusetzen. Ein weiterer Eingriff durch die Planung führt zu einer Belastung und Entwertung der Landschaft bzw. des Landschaftbildes was die Rückführung einer Alltagslandschaft bedeutet.

    Windkraftanlagen mit ihren gigantischen Höhen und kreisenden Rotorbewegungen sind großtechnische Strukturen, die sich, das verdeutlichen die Ergebnisse, ästhetisch nicht in naturgeprägte Umwelten, wie sie Landschaften darstellen, einfügen. (Nohl 2009).

     


    Artenschutz

    Der Standort der WEA-Anlagen befindet sich auf einem seit fast 100 Jahren (Berichte von Einheimischen von 1940 liegen uns vor) bekannten, überregional bedeutenden Rastplatz tausender Nordischer Gänse. Dies bestätigt auch die Kartierung. International, national und landesweit bedeutenden Rast- und Überwinterungsplätzen sollten auch nach Willen der Landesregierung für den Naturschutz freigehalten werden. Dass die Rastfläche bei der Standortanalyse im Vorfeld und nach der Kartierung nicht aus der Windkraftnutzung herausgefallen ist, zeigt den Mangel an konkreten artenschutzrechtlichen Tabukriterien im Verfahren. Dieser Fehler kann durch Aufgabe des Standortes geheilt werden. Die Planung ist aus diesen Grund einzustellen.

     

    Vögel: Arten im Einzelnen:

    Wachtel NRW RL 2

    Kritisch für die Planungen ist das mehrfache Auffinden der Wachtel bei der Kartierung. Es ist bekannt, dass Wachteln die Nähe zu WEA meiden und durch akustische Störwirkungen vertrieben werden. Da der Bestand dieser besonders geschützten Art abnimmt und die Art sich in NRW in einem ungünstigen Erhaltungszustand befindet, dürften in der Nähe von Wachtelbrutrevieren keine WEA errichtet werden. Der ungünstige Erhaltungszustand der Art wird sich bei Umsetzung der Planung weiter verschlechtern und die Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes würde behindert. Auch ein kleinflächiger Verlust von Wachtelbrutrevieren ist nicht hinnehmbar. Die Ausführungen zu Ausgleichsmaßnahmen sind nicht dargestellt. WEISS (in SUDMANN et al. 2012) weist darauf hin, dass für die Wachtel großflächige Maßnahmen notwendig sind, um eine ausreichende Reproduktion in kolonieartigen Brutverdichtungen sicherzustellen und kleinräumige „Hier und Dort“-Maßnahmen der Art nicht weiter helfen. Deshalb kann es sinnvoller sein, Maßnahmen in bestimmten Gebieten zu konzentrieren, um solche Areale zu optimieren oder aufzubauen, anstatt kleinflächig in unmittelbarer Umgebung zum Eingriffsort zu planen.

     

    Forderung: Da die Art WEA meidet, der Bestand dieser besonders geschützten Art abnimmt und die Art sich in NRW in einem ungünstigen Erhaltungszustand befindet, ist die Planung aufzugeben.

     

    Rebhuhn NRW RL 2

    Der Bestand dieses früher weit verbreiteten „Allerweltvogels“ hat allein von 2006 bis 2012 in NRW um mehr als 45 Prozent abgenommen. „Nennenswerte Restbestände gibt es praktisch nur noch in der Zülpich-Jülicher Börde, auch dort wird der Bestand immer lückenhafter. (Bericht des Dr. Jürgen Eylert von der Forschungsstelle für Jagdkunde). Da sich die Gesamtpopulation in einem für den landesweiten Fortbestand kritischen Erhaltungzu-stand befindet, werden die noch relativ gut besiedelten Gebiete zur Erhaltung des Ausbreitungs-potenzials gebraucht. Die Kartierung ergab im UR1000 ein Vorkommen von 6 Revieren. Für den Ausgleich des Verlustes ist der Leitfaden „Wirksamkeit von Artenschutzmaßnahmen“ MKULNV Nordrhein-Westfalen anzuwenden. Aufgrund der hohen Standorttreue und der geringen Mobilität des Rebhuhns ist eine Besiedlung neu geschaffener Habitate nur in direktem Verbund, bzw. direkt angrenzend zu bestehenden Vorkommen möglich.

     

    Kornweihe (RL NRW 0, VS-Anh. I)

    Wir halten eine Nachkartierung für erforderlich.

     

    Rohrweihe (RL NRW 3, VS-Anh. I)

    Die Planung ist aufgrund der Nutzung der Fläche durch die Rohrweihe aufzugeben.

     

     

    Sperber

    Wir halten eine Nachkartierung für erforderlich.

     

    Rotmilan (RL NRW 3, VS-Anh. I.)

    Für den Rotmilan besteht aufgrund zahlreicher Beobachtungen Brutverdacht (bei Linnich BK 5003-069).

     

    Forderung: Für diese Art ist eine Raumnutzungsanalyse durchzuführen. Vom Horst ist laut Empfehlung der LAG der VSW Stand 13.05.2014 ein Abstand von 1.500 m einzuhalten. Als Prüfbereich für den Rotmilan werden 4.000 m angegeben. In diesem Prüfbereich sollte auch nach nachbrutzeitlichen Versammlungsplätzen des Rotmilans gesucht werden. Die geplante WEA sollte schon jetzt aufgrund der anhaltenden Nutzung durch den bekanntermaßen windkraftsensiblen Rotmilan gestrichen werden.

     

    Mäusebussard/Turmfalke

    Nach der Schlagopferliste der Staatlichen Vogelwarte Brandenburg zählt der Mäusebussard zu den Arten mit hohem Kollisionsrisiko (H. Illner Eulen-Rundblick Nr. 62 Tabelle S. 87-89). Die Nicht-beachtung des Mäusebussards beim Bau von WEA in NRW steht im Widerspruch zu geltendem Artenschutzrecht und wird daher von uns abgelehnt. Anders als die Landesregierung NRW halten die Naturschutzverbände und andere Landesregierungen, z. B. Niedersachsen, es für europa-rechtlich nicht haltbar, den Verlust der unter die Vogelschutzrichtlinie fallenden Arten Mäusebussard und Turmfalke an WEA unter Hinweis auf die Häufigkeit der Arten hinzunehmen. Insofern sind auch einzelne, nicht auszuschließende Tötungen oder Verletzungen von Mäusebussarden und Turmfalken an WEA als Verbotstatbestand nach § 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG zu werten. Hierzu verweisen wir auch auf die aktuelle Arbeitshilfe für Niedersachsen „Naturschutz und Windenergie“, in der für den Mäusebussard ein Tabubereich um die Horste von 500 m festgelegt ist (Arbeitshilfe „Naturschutz und Windenergie“, Niedersächsischer Landkreistag, Oktober 2014).

     

     

    Forderung: Die Planung ist aus Artenschutzgründen aufzugeben. Der Turmfalke brütet z.B. innerhalb des UR1000 (Gehöft Darius westlich von Linnich).

     

    Kiebitz( RL NRW 3)

    Erfasst wurden hier 5 Reviere die lt. Leitfaden „Wirksamkeit von Artenschutzmaßnahmen „MKULNV Nordrhein-Westfalen 1:1 auszugleichen sind (5ha). Die Kiebitzinsel (Avifaunistisches Fachgutachten S. 138 mit einer Länge von 125 m und einer Breite von 40 m entspricht daher nicht den Vorschriften für eine CEF Massnahme.

     

     

    Anforderung CEF Massnahmestandort:

     

    Die vorgesehene Fläche befindet sich innerhalb eines Getreide-, Mais-, Hackfrucht- bzw. Gemüseackers und dürfte somit für den Kiebitz nicht geeignet sein. Darüber hinaus ist in den landwirtschaftlich genutzten Offenlandschaften generell mit bedeuten-den Gastvogelvorkommen zu rechnen. Das gilt insbesondere für den Kiebitz. WEA können diese Rastplätze großflächig zerstören, so dass auch der Bedeutung solcher Gebiete für Gastvögel nachzugehen ist. Insofern kann aus der agrarischen Nutzung von Offenlandschaften nicht von vornherein auf eine geringe Bedeutung dieser Gebiete für den Schutz gefährdeter Brut- und Gastvögel geschlossen werden.

    Lt. dem Gutachter aus dem Zeitraum Anfang Oktober 2014 bis Februar ergab ein vorkommen von 280 Individuen. Alleine solche Massierungen sind hier als sehr bedeutsam anzusehen und zeigt wie schützenswert dieses Gebiet ist. Die Planung hätte hier alleine schon eingestellt werden müssen.

    Feldlerche RL NRW 3

    Die Feldlerche wird in der RL NRW in der Gefährdungskategorie 3 „gefährdet“ geführt. Der Rückgang dieser ehemaligen „Allerweltsart“ in den letzten Jahren ist landesweit dramatisch. Im Brutvogelatlas 2013 wird der Trend mit stark abnehmend angegeben (NWO & LANUV (2013): Die Brutvögel Nordrhein-Westfalens). Im Bergischen Land ist sie weitgehend verschwunden (Stumpf 2009). Gegenüber den 1980er Jahren dürfte der Bestandsverlust landesweit etwa 80% betragen (Sudmann et al. 2008). Dementsprechend bewertet das LANUV den Erhaltungszustand der Art aktuell als „ungünstig mit deutlichem Abnahmetrend“ (http://www.naturschutzfachinformations-systeme- nrw.de). Die Feldlerche ist durch den Betrieb der Anlagen einem Verletzungs- und Tötungsrisiko ausgesetzt. Feldlerchen vollführen hohe Singflüge, wodurch sie in den Rotorschwenkbereich von WEA gelangen können. Hinzu kommen die Gefährdung durch Barotraumen und der Verdrängungseffekt durch die Kulissenwirkung der Anlagen.
    Der Verlust eines Reviers ist mit 1 ha pro Revier auszugleichen (lt. Leitfaden Wirksamkeit von Artenschutzmaßnahmen). Ausgleichsmaßnahmen in anderen Fällen im Kreis Düren belegen, dass die Ausgleichsmaßnahmen nicht funktionieren (Monitoring für die Hähnchenmastanlage bei Müddersheim D. Lück 2011). Dies beschreibt auch der Kreis Düren „im Ergebnis weist das Monitoring einen Rückgang der durch den Bau der Anlagen direkt betroffenen Arten aus (Mail vom 10.12.2013). Gleiches gilt auch für die Arten Rebhuhn und Wiesenpieper. Forderung: Bei abnehmender Populationsgröße der Feldlerche in ganz NRW und nicht funktionierenden Ausgleichsmaßnahmen sind weitere Verluste nicht akzeptabel. Hinweise auf potentielle Ausweichhabitate sind irrelevant. Aufgrund der Häufigkeit dieser Art im Plangebiet muss die Planung aufgegeben werden. Anderenfalls ist eine Revierkartierung für die hier in der Feldflur brütende Feldlerche nachzuholen. Diese fehlt im avifaunistischen Fachbeitrag, ist aber für die Eingriffsbewertung und –bilanzierung erforderlich.
    Im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums wurde die Arbeitshilfe“ Vögel und Straßenverkehr“ (2010) erarbeitet, in der für jede Vogelart Abstände von Strassen vorgeschlagen werden, innerhalb derer eine bis zur Aufgabe des Brutplatzes bzw. des Reviers gehende Beeinträchtigung anzunehmen ist. Die Studie bezieht sich zwar auf Straßen, allerdings werden die Baustelleneinrichtungsflächen sehr ähnliche Wirkungen auf die umgebende Vogelwelt ausüben. Die negative Wirkung von Straßen entstammt nicht nur dem Lärm, sondern auch der Bewegung auf der Straße. Es ist sachgerecht anzunehmen, dass eine Baustelleneinrichtungsfläche, auf der Verkehr von Baufahrzeugen herrscht, auf der Menschen umherlaufen und wo zudem ständig neue aus Sicht einer Feldlerche beängstigende Bauteile angeliefert, zusammengebaut und bewegt werden, eine mindestens ebenso hohe Wirkung auf Feldlerchen hat, wie eine Straße. Dabei darf für die Feldlerchen die sehr beeinträchtigende Kulissenwirkung hoher Bauteile nicht unterschätzt werden.

    Sowohl die Baustelleneinrichtungsstellen, als auch die dauerhaft bestehende Anlagen werden Feldlerchen in größeren Umkreis vertreiben.

     

    Kranich/Gänse

    Das Plangebiet ist als Leitkorridor für den Vogelzug anzusehen (Kraniche). Bemerkung zu den Nordischen Gänsen siehe oben.

    Neben einem generellen Abstand von mindestens 1.200 m zu international, national und landesweit bedeutenden Rast- und Überwinterungsplätzen sollten die Interaktionskorridore zwischen den verschiedenen Habitaten freigehalten werden (z. B. Verbindungen zwischen Nahrungs- und Schlafplätzen). Dies betrifft insbesondere Kraniche und Gänse. Häufungen von WEA, wie wir sie hier an dieser Stelle um Linnich haben, sind außerdem ein Problem in Gebieten mit besonders hohen Konzentrationen ziehender Vögel, wenn diese in nur geringer Höhe fliegen bzw. bei Schlechtwetterlagen oder Sturm gezwungen sind, niedrig zu fliegen. Das Risiko der Vögel, mit den Anlagen zu kollidieren, kann bei ungünstigen Witterungsbedingungen (Nebel, starker Wind) und in der Dunkelheit erheblich ansteigen, wenn eine präzise Ortung der Anlagen und ein Ausweichen der Vögel nicht mehr möglich sind. Neben dem Risiko, mit den Anlagen zu kollidieren, können die Anlagen ziehende Vögel zu Ausweichbewegungen und zu einer Verlagerung des örtlichen Vogelzuges oder des Rastgeschehens zwingen und infolgedessen zu einem erhöhten Energieaufwand führen. Dies kann sich negativ auf die Überlebensfähigkeit der Vögel auswirken. WEA können im Übrigen die Nutzung von Interaktionskorridoren der Vögel (etwa zwischen Brut- und Nahrungshabitaten oder Schlafplätzen) beeinträchtigen und auf diese Weise zur Aufgabe von Teillebensräumen führen. Bezüglich der Gefährdungspotenziale sind Nacharbeiten auch Kumulationswirkungen geplanter, bestehender, zugelassener und beantragter Anlagen in der ASP und dem Umweltbericht zwingend erforderlich.

    Folgende Planungen und Anlagen sind zu berücksichtigen:

    22 bestehende Anlagen im Kreis Heinsberg

     

    21 geplante Anlagen

     

    5 geplante Anlagen für Linnich-Boslar

     

    16 geplante Anlagen für den Bereich Körrenzig, Glimbach und Hottorf

     

    5 geplante Anlagen für die Gemeinde Niederzier-Steinstraß

    Angesichts dieser Massierung von WEA im Raum dürfte der Korridor für Kraniche und Gänse etc nicht mehr passierbar sein.

     

    Heringsmöwe/Silbermöwe/Lachmöwe/Sturmmöwe

    Laut Empfehlung der LAG der VSW Stand 13.05.2014 ist ein Abstand zu den Anlagen von 1000 m und der Prüfungsbereich von 3000 m einzuhalten. Hierzu sind Nachkartierungen erforderlich.

    Waldohreule (RL NRW 3) und Waldkauz

    In der ASP sollten nicht nur die Brutplätze sondern auch die Winterschlafplätze der Waldohreulen kartiert werden. Vom Brutplatz ist laut Empfehlung der LAG der VSW Stand 13.05.2014 ein Abstand von 500 m einzuhalten, der Prüfbereich wird mit 1.000 m angegeben. Laut Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG VSW) „Fachkonvention ,,Abstandsempfehlungen für Windenergieanlagen zu bedeutsamen Vogellebensräumen sowie Brutplätzen ausgewählter Vogelarten“, Stand 13.05.2014, gilt auch die Waldohreule als kollisionsgefährdete Vogelart. Das faunistische Fachgutachten gibt für den Waldkauz und der Waldohreule im Bereich UR 2000 als Brutvogel für den UR 1000 als Nahrungsgast an.

    Für beide Eulenarten stellt die umgebende Feldflur ein essentielles Nahrungshabitat dar. Es ist wahrscheinlich, dass diese Eulenarten zwischen den Wäldern hin- und herfliegen und besonders entlang der Waldränder jagen. Für beide Arten liegen Totfunde an WEA vor. Außerdem ist anzunehmen, dass die Geräuschemissionen der WEA es den Eulen erschweren, Beutetiere zu orten und insoweit die Nutzbarkeit der Nahrungshabitate verringern. Eine Nachkartierung ist erforderlich.

    Schleiereule

    Wir weisen darauf hin das die Schleiereule innerhalb des UR 1000 brütet. (Gehöft Darius westlich von Linnich). Schleiereulen gelten zu den Arten mit hohem Kollisionsrisiko (H. Illner Eulen-Rundblick Nr. 62 Tabelle S. 87-89).

    Fledermäuse

    Die bestehende ASP erfüllt im Jahr 2015 die Anforderungen gemäß Leitfaden Artenschutz und Windenergie (2013) nicht.

    1.  Der Untersuchungsraum von 500 m ist zu klein. Der Leitfaden (2013!) fordert 1000 m.

        Dies ist ein schwerwiegender Mangel, weil Wochenstuben von Fledermäusen nicht ausreichend im UR1000 m abgeprüft wurden. Stichprobenartige flächige Ab-/Einflugkontrollen ersetzen gezielte Gebäudekontrollen im erforderlichen UR1000 m nicht. Quartier-Untersuchungen sind im neuen UR1000m nachzuholen.

      Am Gehöft von Herrn Darius, Aachener Straße in Linnich, wurde am 2.7.2015 ein Zwergfleder-maus-Einzelquartier am Seitengebäude und ein überfliegender Großer Abendsegler durch den AK Fledermausschutz kartiert. Aus Welz wurde 2014 dem AK Fledermausschutz eine Zwergfledermaus-Wochenstube gemeldet. In Gereonsweiler ist ebenfalls eine Zwergfledermaus Wochenstube bekannt. Diese Hinweise sind bei zukünftigen Quartierermittlungen ebenso zu berücksichtigen, wie das aus dem Gutachten bekannte Quartier in 870 m Entfernung im Pappelwald von Welz. Hier sind die Fledermausart und die Art des Quartiers zu ermitteln. Das Gutachten selbst erwähnt hohe Potenzialstrukturen (S.39) außerhalb des UR500m und weist damit auf den bedeutenden Erkenntnisgewinn durch Kartierung im UR1000m hin. Die genannten untersuchten Ausflugzeiten sind für mehrere Arten zu kurz. Große Mausohren fliegen sehr spät frühestens 30 Minuten nach Sonnenuntergang aus. Fransenfledermäuse kommen noch später. Beide Arten würden durch die beschriebene Kartierung nicht erfasst.

     

    1.  Zugzeiten im Frühjahr wurden mit einem Untersuchungsbeginn im Mai 2012 nicht erfasst. Dies ist ein schwerwiegender Mangel, weil Aussagen zu Zugverhalten nur dann getroffen werden können, wenn in geeigneten Zeitfenstern kartiert wurde.

       Nach lokalen Kartierungen (AK Fledermausschutz, M.Straube, Heinsberg und Literaturdaten) ergeben sich andere Zugzeiten als nach Leitfaden. Bei lokalen Erkenntnissen sollte der Gut-achter gemäß Leitfaden (S.11) den Erfassungszeitraum von März bis Mitte November verlängern, um fachgerecht das lokalen Zuggeschehen zu erfassen.  Symptomatisch für die zu geringen Untersuchungszeiten in der Zugzeit und möglicherweise auch ein technischer Defekt oder Alterung der eingesetzten Detektoren (siehe 4.) ist das Fehlen des Großen Abendseglers. Er ist im Landschaftselement zu erwarten (siehe MTB LANUV, Punkt im LINFOS im Kreis Heinsberg) und wurde von zahlreichen Stellen als Hinweis im Raum erwähnt (siehe ASP I, 2015). Wenn der Gutachter ihn trotzdem nicht verhört, muss er das negative Ergebnis kritisch hinterfragen. Text und Tabelle 3.1 differieren für Teibereich II im Herbst bezüglich der Kartierzeiten. Was stimmt?

     

    1.   Das vom Gutachter für die akustische Fledermausuntersuchung eingesetzte Dehner -Detektorsystem kann je nach Kartiermethodik als nicht rechtsfest im Sinne einer räumlichen Erfassung in einem vorgegebenen Zeitfenster gelten. Bei dem Zeitdehnerverfahren werden nur 10% einer Nacht aufgenommen, da das Gerät 90 % Aufnahmepause während der Datenspeicherung hat.

       Das Zitat zu 20 Jahre alten Kartiermethoden, Rahmel 1996 (!), ist unzeitgemäß. Dem technischen Wandel und den Erkenntnissen der Gegenwart ist in der Untersuchung nicht Genüge getan. Dies gilt auch für den nachfolgenden Punkt.

     

    1. Eine Horchbox auf Basis eines Breitbandverfahrens ist für eine populationsrelevante Beurteilung von Betroffenheiten einzelner Fledermausarten nicht rechtsfest. Die aufgenommenen Rufe/Aktivitäten sind nicht bis auf Artniveau analysierbar.

       Die einzige regional nachgewiesene Eptesicus Art wird in der Gruppe Nyctaloid zusammengeführt. Wie kann der Bearbeiter „Eptesicoid“ und „Nyctaloid“ unterscheiden? Dies ist fachlich von einem unabhängigen Gutachter zu prüfen. Der fehlende Qualitätsnachweis der Geräte ergibt keine vergleichbaren und nachvollziehbaren Daten. Die Verwendung von Horchboxen mit Detektoren unterschiedlicher Hersteller macht eine Vergleichbarkeit unmöglich. Analysen und Bewertungen sind völlig unbrauchbar, weil die Grundvoraussetzungen, Vergleichbarkeit der Daten und artspezifische Analyse, nicht gegeben sind. Das wissentliche Inkaufnehmen vermeidbarer technischer Mängel und Fehler kann im Umgang mit planungsrelevanten Arten nicht akzeptiert werden und hätte längst 2013 oder 2014 behoben werden können. Die Erhebung ist mit technisch einwandfreiem Echtzeitdetektoren eines Herstellers zu wiederholen. Selbst Geräte eines Herstellers können bekanntermaßen bereits erhebliche Unterschiede an Aufnahmen aufweisen (deshalb der erforderliche Qualitätsnachweis und die Darstellung der Untersuchungsparameter).  Akustische Unterschiede zwischen laut und leise rufenden Arten lassen einen Vergleich zwischen Arten nicht zu. Umso erstaunlicher ist, dass man aus einem Gemisch von Aktivitäten aller vorbeifliegenden Fledermäuse eine Bewertung für einzelne Arten versucht wird, ohne die Artefakte der unterschiedlichen Geräteempfindlichkeiten und Mikrofonaufnahmequalitäten zu berücksichtigen.  „Selbstgebastelte“ unkontrollierte Horchboxsysteme mit schlechter Aufnahmetechnik sind als unprofessionell abzulehnen. Die technische Ausrüstung ist bezüglich der Reichweite und Empfindlichkeit und aller Untersuchungsparameter. Treshold, posttrigger etc., wie bei professionellen Geräten, darzustellen. Professionelle Geräte werden in jeder Saison kontrolliert, neu kalibiriert oder gegebenenfalls ersetzt. Das Fehlen der sehr leise rufenden Arten z.B. Langohren, die in der Fläche ebenfalls zu erwarten wären, sowie das Fehlen der im hohen Luftraum fliegenden Abendsegler ist ein Hinweis auf mangelnde Reichweite (geringe Mikrofonempfindlichkeit).

     

    1.  Eine Methodenkombination mit Netzfang etc. wäre für leise rufende Arten ein notwendiger Negativnachweis gewesen, um methodisch bedingtes Fehlen der Arten zu bestätigen oder auszuschließen.

    2.  Der Ort des Eingriffs kann durch die „artunspezifischen“ Horchboxuntersuchungen am Boden mit unkalibrierten (unkontrollierten) Mikrofonen nicht erfasst werden.

      Eine Höhenuntersuchung fehlt. Ein Höhenmonitoring/ Gondelmonitoring ist gemäß Leitfaden erforderlich. Die zitierten Aktivitätsmessungen der Horchboxen haben wegen der technischen Mängel der Geräte keine Aussagekraft (siehe 4.)
    3. Die wenigen Einzelnacht-Horchboxuntersuchung erfüllen nicht das geforderte Langzeitmonitoring in der Zugzeit gemäß Leitfaden. Dies ist ein gravierender Untersuchungsmangel. Die wenige Einzelstichproben sind reine Zufallsergebnisse.
    4. Das Ausklammern der kartierten, windkraftsensiblen Art Zwergfledermaus ist ein Rechtsverstoß gegen die FFH-Richtlinie. Der Leitfaden überlässt als Richtschnur die endgültige Verantwortung für die Bewertung der Arten den Gutachtern. Das Wegdiskutieren der windkraftsensiben Art ist besonders kritisch, weil für die populationsökologische Einschätzung zum lokalen Erhaltungszustand der Art keine handfesten Daten vorgelegt wurden. Wie bei allen anderen Fledermausarten haben auch Zwergfledermäuse durch WEA ein signifikant erhöhtes Lebensrisiko. Die Gefährdung durch WEA wird sich auf den bis heute als noch gut eingeschätzten Erhaltungszustand niederschlagen und diesen möglicherweise verschlechtern. Bei der Bewertung hierzu sind Kumulationswirkungen im Raum zu berücksichtigen Nach FFH Verschlechterungsverbot muss vorsorgend bei relevanten Wissenslücken zum Erhaltungszustand als Prognoseunsicherheit der „worst case“ angenommen werden. Dies ist war in der ASP nicht der Fall.

     

    Zusammenfassung

    Die Erfassung von 74 Vogelarten davon 17 Arten die in der Roten Liste von NRW aufgeführt werden mach hier deutlich das es sich hier um einen sehr wertvollen Bereich der Avifauna handelt, u.a. auch um einem bedeutenden Rastplatz arktischer Gänse.

    Für die windkraftempfindlichen Vogelarten ist die Abstandsempfehlung zu bedeutsamen Vogel-lebensräumen sowie Brutplätze ausgewählter Vogelarten (LAG VSW) heranzuziehen. Alle bisher erhobenen akustischen Fledermausdaten, vor allem die der Horchboxen, und ihre Bewertungen müssen wegen der auch dem Gutachter bekannten Mängel und Fehler der technischen Ausrüstung in Frage gestellt werden. Sie können keine Grundlage für eine artenschutzrechtliche Beurteilung planungsrelevanter Arten sein. Die Kartierungen sind mit zeitgemäßen standardisierten Echtzeitdetektoren (statt selbstgebastelter artunspezifischer Horchboxen minderwertiger Erfassungsqualität) erneut durchzuführen. Ein jährlicher Qualitätsnachweis von Geräten und Mikrofonen ist vorzulegen.

    Die nach Leitfaden fehlenden Langzeithorchboxuntersuchungen in der lokalen Zugzeit, das Höhenmonitoring am Ort des Eingriffs und Quartiersuche in 1000 m Umfeld müssen gemäß Leitfaden ergänzend nachgearbeitet werden. Bei der Quartiersuche sind konkrete Gebäude- und Baumkontrollen durchzuführen, flächige Untersuchungen sind nicht zielführend. Methodische Defizite einzelner Untersuchungsmethoden müssen durch einen Methodenmix ausgeglichen werden.

    Eine Gondelmonitoring gemäß Leitfaden als Vorsorgemaßnahme für Fledermäuse muss durchgeführt werden, wenn der Ort des Eingriffs nicht erfasst wird (bei fehlendem Höhenmonitoring).

     

    Ausgleich

    Wir haben mehrfach drauf hingewiesen, dass wenn Offenland in Anspruch genommen wird dies auch als solches an anderer Stelle als Ausgleich wieder ausgewiesen wird. Es dürfte allgemein bekannt sein, dass Anpflanzungen entlang der Rur keine Kompensation für Habitate der Offenlandvögel sein kann, da ihre Habitate „Offenland“ sind.

     

     

     

    Wir lehnen die Planung aus den aufgeführten Gründen ab.

     

     

     


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