NABU Kreisverband Düren

nicht-barrierefreie Darstellung * Suche

Sie befinden sich hier: Startseite > Stellungnahmen > 

Hauptmenü

  • Eine Ebene nach oben
  • Kletterwald Eschauel
  • Streckenfunkstelle an der Bahnstrecke Düren-Zülpich
  • Photovoltaik Stockheimer Landstraße
  • Antrag auf Planfeststellung gemäß § 68 WHG für die Beseitigung des Lucherberger Sees
  • Windenergie Aldenhoven - Erweiterung 6. WEA
  • 30. Änderung des FNP der Stadt Linnich „Windenergie Körrenzig-Kofferen-Hottdorf, Boslar und Gereonsweiler und BBP Nr. 6 Windenergie Gereonsweiler-Linnich
  • Bebauungsplan Welldorf Nr. A14 "Alte Fachhochschule"
  • Entwurf der 3. Änderung des BBP B 20 „Weitere östliche Erweiterung des Gewerbegebietes Forstweg“, Ortschaft Oberzier
  • Mountainbike Park Hürtgenwald
  • Hähnchenmastanlage in Linnich Gem. Glimbach
  • Windenergie Gereonsweiler


  • Windenergie Aldenhoven - Erweiterung 6. WEA

     BUND-Logo                                                  NABU Logo

     

    An                                                                                          Düren, 18.08.2017

    Gemeinde Aldenhoven

    Dietrich-Mülfahrt-Str. 11-13

    52447 Aldenhoven

     

     

    Betr.: 1. Änderung des BBP 57 DE – WK IV
              Ihr Zeichen: II – 1/2 He 61/BP /7/16 (57DE)
              Landesbüro Zeichen:  DN – 325/17

     

     

    Sehr geehrte Damen und Herren,

     

    zu obiger Planung geben die Naturschutzverbände BUND und NABU folgende Stellungnahme ab.

     

    Trotz aller Wissenslücken stehen die negativen Auswirkungen von Windenergieanlagen auf bestimmte Brut-, Gastvogel- und Fledermausarten und mehr noch Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft außer Frage. Diese Auswirkungen sind mindestens ebenso belegt wie die Gefährdung des Klimas durch Kohlendioxid oder der Beitrag der Windenergie zum Klimaschutz. Deshalb erfordert der Ausbau der Windenergie, wie die Nutzung aller anderen Energiequellen und jede Landnutzung, die volle Integration der Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege. Dies verlangt u. a. den Schutz der Gebiete, die nach nachvollziehbaren Kriterien eine besondere Bedeutung für Naturschutz und Landschaftspflege haben. Dies verlangt u.a. den Schutz der Gebiete, die nach nachvollziehbaren Kriterien eine besondere Bedeutung für Naturschutz und Landschaftspflege haben. Dazu zählen auch Lebensräume einheimischer Eulenarten.

     

    Die Beachtung dieser Anforderungen sollte schon von dem Planer selbst erwartet werden können, denn kein anderer Teil der Energiewirtschaft stellt nach außen hin seine Verantwortung für die Umwelt so sehr heraus und möchte seine Interessen mit dieser Verantwortung legitimiert sehen wie die Windenergiewirtschaft

     

    Landschaftsbild

     

    WEA sind technische Bauwerke, die insbesondere in Form von Windfarmen nicht nur in einem beträchtlichen Umfang Flächen beanspruchen, sondern es gehen von diesen Bauwerken wegen ihrer Größe, Gestalt, Rotorbewegung und -reflexen auch großräumige Wirkungen aus, die das Erscheinungsbild einer Landschaft verändern und ihr bei großer Anzahl und Verdichtung den Charakter Vorzug von Offenlandschaften und exponierten Standorten nehmen. Die Geräuschentwicklung der Anlagen stellt zumindest innerhalb von Bereichen mit besonderer Bedeutung für die Erholung ein zusätzliches Problem dar.

     

    Die je nach Standort (z. B. Nähe zu Flugplätzen) oder Bauhöhe (mehr als 100 m über Grund) erforderliche Kennzeichnung gemäß der Allgemeinen Vorschrift zur Kennzeichnung von Luftfahrt-hindernissen kann zu einer zusätzlichen erheblichen Beeinträchtigung führen. Das gilt für farbliche Kennzeichnungen, insbesondere aber auch dann, wenn die Kennzeichnung durch weiß blitzende Feuer (tags) und rote Hindernisfeuer bzw. Gefahrenfeuer (nachts) erfolgt

    Bau- und anlagebedingt werden hier durch die WEA weitere Teile, Funktionen oder Werte von Natur und Landschaft in Mitleidenschaft gezogen. Das gilt vor allem für die Überbauung von Boden infolge von Erschließungsmaßnahmen, Wegebau und Grabenverrohrungen für Überfahrten.

    Infolge der Höhe der geplanten Anlage von 150m ist die damit verbundene Beeinträchtigung des Landschaftsbildes erheblich.

    Die dargestellte Vorbelastung sollte dazu führen, die Landschaft in diesem Bereich keiner weiteren Beeinträchtigungen auszusetzen.

    Ein weiterer Eingriff durch die Planung führt zu einer Belastung und Entwertung der Landschaft bzw. des Landschaftsbildes, was die Rückführung in eine Alltagslandschaft bedeutet. Windkraftanlagen mit ihren gigantischen Höhen und kreisenden Rotorbewegungen sind großtechnische Strukturen, die sich, das verdeutlichen die Ergebnisse, ästhetisch nicht in naturgeprägte Umwelten, wie sie Landschaften darstellen, einfügen. (Nohl 2009).

    Das Gebiet ist durch die bestehenden WEA schon so weit vorbelastet, dass jede weitere Belastung zu vermeiden ist. Der Raum zwischen den bestehenden WEA und Dürboslar sollte von weiteren Belastungen freigehalten werden.

    Es ist zudem völlig unverständlich, dass hier in einem Bereich, der im Regionalplan als BSLE dargestellt ist, eine WEA nur 800 m vom nächsten Ort entfernt geplant wird.

     

    Artenschutzptüfung

     

    Uferschwalbe RL NRW

    Lt. Gutachter kommt diese Art als Nahrungsgast und Durchzügler im Gebiet vor (ASP S. 9). Im ökologischen Fachbeitrag vom IVÖR der Deponie David, die direkt gegenüber liegt, wird das Vorkommen der Uferschwalbe als Brutvogel mit 11 besetzten Brutröhren dokumentiert. (S. 27 Fachbeitrag).

    Es dürfte bekannt sein das Schwalben sehr hoch fliegen und somit in dem Bereich des Rotors gelangen.

     

    Mäusebussard

    Hierzu schreibt der Gutachter: "Der Mäusebussard ist die häufigste Greifvogelart in Deutschland. Der Bestand wird mit 77.000 bis 110.000 Brutpaaren in Deutschland angegeben (SÜDBECK et al. 2007). Die Art brütete im Jahr 2014 in einem Feldgehölz, circa  850 Meter entfernt der geplanten WEA und nutzt die offene Feldflur häufig zur Nahrungssuche. Hinsichtlich WEA zeigt

    der Mäusebussard kaum Meidungsverhalten, was die vergleichsweise hohen Zahlen an WEA verunglückter Mäusebussarde erklärt (460 dokumentierte Fälle). Angesichts der hohen Bestandszahlen des Mäusebussards in Deutschland ist dies (selbst bei einer sicher deutlich höheren Dunkelziffer) eine verschwindend geringe Zahl, so dass Vogelschlag an Windenergieanlagen für Mäusebussarde letztlich nur ein geringes Problem darstellt; viel weniger als z. B. der Straßenverkehr. Allein in Brandenburg enden schätzungsweise 1.000 bis 1.500 Mäusebussarde pro Jahr an Autobahnen (SCHOTT 2004). Selbst nicht gänzlich auszuschließende Verluste von Einzeltieren an WEA dürften in Kürze durch Neubesetzung des Brutreviers ausgeglichen werden. Ein signifikant erhöhtes Tötungsrisiko mit Populationsrelevanz ist daher für diese ungefährdete und in einem günstigen Erhaltungszustand befindliche Art nach derzeitigem Stand nicht gegeben."

     

    Der Progress-Studie beziffert hier die Zahl von 7800 getöteten Mäusebussarde an Windanlagen in mehreren Bundesländer jährlich. Das sind 7% des Brutbestandes die Verluste sind daher als populationsgefährdend anzusehen.

     

    Nach der Schlagopferliste der Staatlichen Vogelwarte Brandenburg zählt der Mäusebussard zu den Arten mit hohem Kollisionsrisiko (H. Illner Eulen Rundblick Nr. 62 Tabelle S. 87 Nichtbeachtung von Mäusebussard und Turmfalke beim Bau von WEA in NRW steht im Widerspruch zu geltendem Artenschutzrecht und wird daher von uns abgelehnt. Anders als die Landesregierung halten die Naturschutzverbände es für europarechtlich nicht haltbar, den Verlust der unter die Vogelschutzrichtlinie fallenden Mäusebussard an WKA unter Hinweis auf die Häufigkeit hinzunehmen. Insofern sind auch einzelne nicht auszuschließende Tötungen oder Verletzungen von Mäusebussarden an WKA als Verbotstatbestand nach § 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG zu werten.

     

    Uhu Anhang I VS RL

     

    In allernächster Nähe der geplanten WEA 6 haben dieses Jahr und in den Vorjahren Uhus gebrütet. In diesem Jahr hat Stefan Brücher, ein namhafter Uhu-Experte der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE), am 08.08.2017 dort nicht nur den Brutplatz gefunden, sondern auch einen diesjährigen jungen Uhu angetroffen. Schon im ökologischen Fachbeitrag von IVÖR zur Errichtung einer Deponie der Klasse DKI in der Abgrabung Aldenhoven vom Dez. 2012 wurde auf den Uhu hingewiesen. Ortsansässigen Naturbeobachtern sind hier Uhu-Bruten zumindest seit 2013 bekannt. 2015 wurde an der Autobahnauffahrt Aldenhoven ein junger Uhu verletzt aufgefunden und von der Feuerwehr geborgen. Dass der Gutachter nichts gefunden hat, spricht nicht für dessen Qualifikation. Mit Verweis auf die Maßgaben der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG-VSW) dürfte die 6. Anlage sich kaum realisieren lassen. Man fragt sich, wie überhaupt die bestehenden Anlagen realisiert werden konnten? Da diese das Tötungsrisiko für den Uhu signifikant erhöhen, ist auf die Planung des 6. Windrads zu verzichten. Es besteht hiermit der Tatbestand nach Verletzungs- und Tötungsverbot (§ 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG). Die bereits errichteten Anlagen hätten somit nicht genehmigt werden dürfen. Es besteht hier die Möglichkeit, diese Anlagen in der Dämmerung/Nachtzeit abzuschalten. Der Hinweis für den Uhu des IVÖR lag somit der Gemeindeverwaltung Aldenhoven und der Kreisverwaltung Düren zum Zeitpunkt der Planung vor.

     

    Kartierung:

     

    Hierzu schreibt der Leitfaden: Umsetzung des Arten und Habitatschutzes bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen

     

    Brutvögel

     Dämmerungs bzw. Nachbegehungen sind nicht erfolgt.
    Weiterhin schreibt der Gutachter, dass diese Art mit einer gezielten Kartierung projektrevelant nicht vorkommt. (ASP S. 18).

     

    Kornweihe
    Der Gutachter behauptet hier, dass es keinen einzigen dokumentierten Fall von Vogelschlag an WEA gibt. Daten aus der zentralen Fundkartei der Staatlichen Vogelschutzwarte widerlegen diese Aussage.

     

    Baumfalke
    Wir verweisen auf den ökologischen Fachbeitrag des IVÖR (S. 18). Zu untersuchen ist hier der Fundpunkt. Der Baumfalke gilt als windkraftsensible Art. Es nützt ein täglicher Abschaltalgorithmus der Altanlage nichts.

     

    Sperber
    Der Sperber kommt hier mit 1 Brutpaar westlich im Feldgehölz vor.

     

    Feldlerche
    Die Feldlerche kommt mit 6 Brutpaaren im einem Radius von 500m um diese geplante Anlage vor.
    Die Lerche liegt somit in einem Ausschluss Bereich von (500m).

     

    Die Feldlerche wird in der RL NRW in der Gefährdungskategorie 3 „gefährdet“ geführt. Der Rückgang dieser ehemaligen „Allerweltsart“ in den letzten Jahren ist landesweit dramatisch. Im Brutvogelatlas 2013 wird der Trend mit stark abnehmend angegeben (NWO & LANUV (2013): Die Brutvögel Nordrhein-Westfalens). Im Bergischen Land ist sie weitgehend verschwunden (Stumpf 2009). Gegenüber den 1980er Jahren dürfte der Bestandsverlust landesweit etwa 80% betragen (Sudmann et al. 2008). Dementsprechend bewertet das LANUV den Erhaltungszustand der Art aktuell als „ungünstig mit deutlichem Abnahmetrend“ (www.naturschutz-fachinformationssysteme-nrw.de).

     

    Bei abnehmender Populationsgröße der Feldlerche in ganz NRW und nicht funktionierenden Ausgleichsmaßnahmen sind weitere Verluste nicht akzeptabel. Hinweise auf potentielle Ausweichhabitate sind irrelevant.

     

    Grauammer

     

    Der Raum zwischen den bestehenden WEA und Dürboslar sollte von weiteren Belastungen freigehalten werden. Dies insbesondere zum Schutz der hier noch vorkommenden Feldvögel wie Feldlerche und Rebhuhn, die von einem katastrophalen Bestandsrückgang betroffen sind. Die Bedeutung des Gebietes für den Artenschutz belegen auch die im Umfeld des Plangebietes kartierten Grauammervorkommen (s. Karte des LANUV).

     

    Untersuchungsmethodik

     

    Der durchgeführte Untersuchungsumfang der ASP entspricht nicht den Anforderungen des Leitfadens „Umsetzung des Arten- und Habitat Schutzes bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen in NRW“ wie in der ASP S. 7/8 bezüglich der Fledermäuse selbst angeführt. –dies trifft aber nicht nur auf die Erhebung der Fledermäuse zu sondern auch für die Kartierung der Avifauna. Da von einer neuen Kartierung neue Erkenntnisse zu erwarten sind, sollte ein qualifiziertes Planungsbüro eine Nachkartierung durchführen. Hier sei die Frage erlaubt, ob ein Büro, welches einen Uhu Brutplatz und eine Uferschwalbenkolonie übersieht, ausreichend qualifiziert ist. Wir halten es nicht für legitim die alte nicht leitfadenkonforme und mit erheblichen Mängeln behaftete ASP auf die nun vorliegende Änderungs-Planung anzuwenden.

     

    Wir lehnen daher aus den oben angeführten Gründen die Planung ab.

     

    Mit freundlichen Grüßen

     

    BUND Kreisgruppe Düren                                         NABU Kreisverband Düren


    Zusätzliche Informationen anfordern... Zusätzliche Informationen anfordern...


    Seitenanfang | Sitemap | News-Archiv | Impressum | Kontakt | E-Mail
    © 2018 NABU Kreisverband Düren